Möbel- und Zulieferindustrie

An welchen Ecken und Kanten es hakt

Welche Herausforderungen kommen auf die Möbelbranche nach dem langen Lockdown zu? Die „möbel kultur“ diskutierte mit Elmar Duffner, VDM-Präsident und CEO der Vivonio-Gruppe, VDM-Geschäftsführer Jan Kurth, Dr. Andreas Hettich, Beiratsvorsitzender der ­Hettich Holding und Dr. Timo Renz, Managing Partner von Dr. Wieselhuber & Partner, am virtuellen, runden Tisch über Digitalisierungserfolge, internationale Potenziale und die nachhaltigen Effekte des anhaltenden Homings in Deutschland.

Auf die Frage, ob die Umsatzverluste durch den Lockdown überhaupt noch aufholbar sind, antwortet Jan Kurth: "Das kommt sehr darauf an, wie der Restart ausfällt. Wir geben die Hoffnung noch nicht auf. Denn welch eine Rallye im letzten Jahr möglich war, konnte keiner ahnen. Somit hoffen wir, dass, wenn die Geschäfte wieder richtig öffnen dürfen, viel Umsatz nachgeholt wird." Dr. Timo Renz gibt allerdings zu bedenken: „Ich glaube, dass es unmittelbar nach dem Lockdown zunächst schon einen großen Aufholbedarf geben wird. Ich denke aber nicht, dass die Rallye wie beim letzten Lockdown quasi durch die Decke geht und dauerhaft anhält. Die Bereiche „Travel & Leisure“ werden beim Kunden stattdessen schneller wieder in den Vordergrund rücken als uns lieb ist, weil mit jeder zusätzlichen Impfung wieder mehr möglich sein wird. Die Frequenz im Möbelhandel wird nach meiner Einschätzung, wenn Reisen und Freizeit wieder uneingeschränkt möglich sind, unter das Vor-Corona-Niveau sinken.“

Und Elmar Duffner ergänzt: „Ich sehe es tendenziell optimistischer. Das, was im letzten Jahr gegolten hat, trägt auch in diesem Jahr, und zwar der Dreiklang aus Home Schooling, Home Office und Home Cooking. Alles spielt sich zu Hause ab, das komplette Gesellschafts-, Sozial- und Arbeitsleben. Das erhöht die Bereitschaft, es sich funktionaler, ergonomischer, angenehmer und schöner zu machen. Und das ist auch mein Hauptargument in Richtung Politik: wenn ich schon meine Bürger zu Hause einschließe, wenn ich schon weiß, wie Ludwig Erhardt schon sagte, dass Wirtschaft zu 50 Prozent Psychologie ist, dann ist auch eine Maßnahme des Lockdowns im Wesentlichen eine psychologische Frage. Dann müsste ich den Bürgern nicht nur die Möglichkeit geben, Nahrung zu kaufen, sondern auch die Basics für ihre Umgebung. Und das in Möbelhäusern, die alle Hygiene­Anforderungen nachweislich erfüllen. Da versteht man am Ende die Logik der Politik nicht mehr.“

Dr. Andreas Hettich hofft darauf, dass der Handel nach dem Lockdown eine vernünftige Preispolitik machen wird: „Das Schlimmste, das uns jetzt passieren könnte, sind Eröffnungsrabatte im Handel. Es wird nicht an der Nachfrage mangeln. Zumindest am Anfang nicht. Dann wäre es jetzt auch einfach mal an der Zeit, vernünftige Preise für ein gutes Produkt zu nehmen. Die Verbraucher sind dazu bereit und ich glaube auch, dass das Thema Lieferzeit den Preis schlägt.

Lesen Sie das komplette Interview in der März-Ausgabe der „möbel kultur“.

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