Miele

Großoffensive gegen „tiefgreifende Veränderungen des Marktes“

Von der konjunkturellen Eintrübung einiger Märkte über das Anwachsen digitaler Kommunikationskanäle bis zur Konkurrenz durch asiatische Konzerne: Die deutsche Geräteindustrie steht unter Druck. Trotz der noch positiven eigenen Entwicklung sieht sich Miele vor diesem Hintergrund zur bislang „größten Wachstums- und Innovationsoffensive in der Geschichte des Unternehmens“ gezwungen. Bereits seit einem Jahr ist das Zukunftsprogramm „Design2 Excellence“ in Arbeit. Nun zeigen sich die Ergebnisse, die in der Tat zu weitreichenden Veränderungen führen. Im Einzelnen listet eine Pressemitteilung nun folgende Kernpunkte:

  1. Um die unternehmerische Verantwortung innerhalb der Organisation zu stärken, wird das operative Geschäft in acht Business Units gebündelt. Deren Leitung hat jeweils die volle Entscheidungskompetenz für ihre Wertschöpfungskette und ist gegenüber der Geschäftsleitung für Umsatz, Kosten und Ergebnis verantwortlich. Dies stärke die Führungskräfte und verkürze Abstimmungs- und Entscheidungswege. Bei den Gewerbegeräten und in der Medizintechnik ist außerdem geplant, die direkte Verantwortung für den weltweiten Vertrieb und Service von den Vertriebsgesellschaften der Länder auf die Business Unit zu übertragen.
  2. Die eigens geschaffene Business Unit „New Growth Factory“ soll neue Geschäftsfelder ausloten. Mit dem Ziel, Miele über das heutige Stammgeschäft hinaus substanziell breiter aufzustellen und so weitere Erlösquellen zu erschließen.
  3. Um die Potenziale der Märkte bestmöglich auszuschöpfen und regionale Synergien zu fördern, ordnet Miele zudem seine weltweiten Vertriebsstrukturen neu. Zum Beispiel werden China, USA und Kanada künftig direkt an die Geschäftsleitung angebunden.
  4. Zum weiteren Ausbau der Digitalkompetenz im Marketing und im Vertrieb sollen digitales Marketing, E-Commerce und Digital Analytics in einem neuen Bereich zusammengefasst werden. Es wird der „Digital Hub Marketing & Sales“ in Amsterdam installiert.
  5. Für die Finanzierung der notwendigen Zukunftsinvestitionen und zur nachhaltigenSicherung der Wirtschaftlichkeit sollen rund 190 Mio. Euro pro Jahr eingespart werden, auch durch die schon länger laufenden und bewährten Programme zurkontinuierlichen Verbesserung der Produktivität und im Einkauf. Realisiert wird diese Summe überwiegend bei den Sachkosten, jedoch seien auch im Personalbereich Reduzierungen unumgänglich. Dies gilt etwa für den Abbau von Parallelstrukturen und für länderübergreifendes Bündeln von Kräften in Vertrieb, Service, Logistik, IT und bei Standardtätigkeiten im Finanzbereich.
  6. Im Ergebnis können bis Ende 2021 in Deutschland etwa 240 Arbeitsplätze wegfallen, und zwar vornehmlich am Standort Gütersloh (Hauptverwaltung, Vertriebsgesellschaft Deutschland). Außerdem können rund 830 Arbeitsplätze im Ausland betroffen sein. Aber es sollen auch etwa 470 Arbeitsplätze neu aufgebaut werden, sei es zur Stärkung der Digitalkompetenz, für neue Geschäftsfelder oder an weiteren Standorten für die länderübergreifende Unterstützung in den oben genannten Bereichen.

Insgesamt entfallen bis Ende 2021 also weltweit rund 1.070 Stellen (von bislang 20.200 Mitarbeitern). Daneben wird das Produktivitätsprogramm MWS 4.0 weiter fortgesetzt. Mit den hier zu erzielenden Effizienzvorteilen lassen sich Renteneintritte und Stückzahlwachstum mit der bestehenden Belegschaft bewältigen, so heißt es. Über alle Werke erspart dies eine mittlere dreistellige Zahl an Neueinstellungen. Von „Design2Excellence“ ist das Programm „Wäschepflege 2025“ zu unterscheiden, in dessen Rahmen sich das Gütersloher Waschmaschinenwerk („Werk GTG“) auf das Zusammenspiel mit dem neuen Werk im polnischen Ksawerów vorbereitet. Im Werk GTG sollen rund 650 Arbeitsplätze abgebaut werden, dies aber erst bis Ende 2025.

„Die Umsetzung der geplanten Veränderungen wird ein Kraftakt, der nur mit der Unterstützung und dem Vertrauen der Belegschaft gelingt“, so die beiden Geschäftsführenden Gesellschafter Dr. Markus Miele und Dr. Reinhard Zinkann. Aber die Anstrengungen würden sich mit Blick auf die langfristige Zukunftssicherung lohnen.

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