Polipol

„Lieferfähigkeit bleibt wichtigstes Thema“

Materialengpässe, Kostensteigerungen, Lieferverzögerungen: Die Lage für die Möbelindustrie bleibt angespannt. Die „möbel kultur“ hat bei Polipol-Geschäftsführer Marc Greve nachgefragt, wie es derzeit bei Deutschlands umsatzstärksten Polstermöbelhersteller läuft, welche Auswirkungen der Ukraine-Krieg auf die Produktion hat und warum das Unternehmen mit Hukla erstmals in Mailand ausstellt.

möbel kultur: Herr Greve, was macht Ihnen derzeit am meisten Sorgen?
Marc Greve:
Dass wir nicht wissen, was in den nächsten Wochen und Monaten passiert. Wir haben aktuell zwar alles noch recht gut im Griff: Wir können liefern, es wird vollumfänglich in allen Fertigungen produziert, aber was die Zukunft bringt, das wissen wir nicht. Gleichwohl sind wir durch die Corona-Pandemie bereits einiges gewohnt. Wir haben in den letzten Jahren viele Strukturen geschaffen, die uns jetzt helfen. Beispielsweise setzen wir in unseren Werken in Osteuropa immer auf die Mitarbeiter im entsprechenden Land. Und wir haben einen eigenen Fuhrpark. Das heißt, rund 75 Prozent aller Lieferungen können wir selbst mit eigenen Fahrern steuern. Das hilft derzeit enorm. Auch die Versorgung ist bei uns gesichert. Materialengpässe gibt es, aber auch diese können wir – Stand heute – regeln. Anders sieht es mit der Preisentwicklung aus.

Schwierig sind die Dinge, die wir nicht beeinflussen können. Dazu zählt nicht nur der Krieg in der Ukraine, mit all seinen Auswirkungen. Uns beschäftigen derzeit viele Fragen: Wie entwickeln sich die Gaslieferungen aus Russland? Was bedeutet das für die Industrie? Kann diese dann beispielsweise nur noch drei Tage in der Woche produzieren? Das alles muss nicht passieren, kann aber. Und natürlich schlagen sich die hohen Energiepreise auf die Kaufkraft und die Konsumlust der Verbraucher nieder. Wir sehen bereits, dass die Auftragseingänge zurückgehen. Einfluss auf die Weltwirtschaft hat auch die Null-Covid-Strategie in China. Wie wirken sich die derzeit stark ansteigenden Coronazahlen für Lieferungen von dort aus? Man muss jeden Tag aufpassen, die Lage im Blick behalten, gleichzeitig dafür sorgen, dass unsere Mitarbeiter motiviert bleiben. Das ist nicht immer ganz einfach, aber wir werden Lösungen finden.

möbel kultur: Die Polipol-Gruppe verfügt über Werke in Polen, Rumänien und Belarus. Wie ist die aktuelle Lage dort?
Marc Greve: Selbstverständlich verurteilen wir, wie alle, diesen furchtbaren Krieg. Und wir helfen, wo wir können. Mit unserer Stiftung „Die Brücke zum Leben“ betreiben wir mehrere Kinderheime in Osteuropa, auch in der Ukraine. Dort sind wir in stetigem Kontakt und schicken auch Hilfsgüter. Uns ist es ganz wichtig, zuallererst immer über die Menschen zu sprechen. Wir dürfen in diesem ganzen Konflikt nicht einzelne Nationalitäten verurteilen. Ich denke, das wird die größte gesellschaftliche Aufgabe sein, die wir auch nach diesem Krieg stemmen müssen. Der Zusammenhalt ist ganz wichtig. Wir halten uns selbstverständlich an die Sanktionen unterstützen diese auch vollumfänglich.

In Belarus beschäftigen wir knapp 600 Mitarbeiter. Rohstoffe aus Weißrussland können aufgrund des Embargos nicht mehr geliefert werden. Wir produzieren dort aber derzeit wie gewohnt weiter. Dabei müssen wir Woche für Woche neu bewerten, wie sich die Situation dort entwickelt. Unser geplanter Bau eines neuen Werks in Belarus liegt selbstverständlich auf Eis.

In Polen und Rumänien produzieren wir aktuell zum Glück auch auf vollem Niveau. Doch die Herausforderungen, vor die wir durch den Krieg in der Ukraine gestellt werden, sind „Corona hoch 5“.

möbel kultur: Polipol hatte schon zu Beginn der Pandemie dafür gesorgt, vieles vorrätig zu halten, um die Lieferzuverlässigkeit zu garantieren. Wie sieht das jetzt unter diesen neuen Umständen aus?
Marc Greve: Die Lage ist prekär, aber unsere Größe hilft uns natürlich in puncto Beschaffung. Die größten Probleme sehen wir in den Bereichen Holz, Stahl, Chemieprodukte und Logistik. Gleichzeitig haben die Preise enorm angezogen. Aber auch hier müssen wir Ruhe bewahren. Wir leben jetzt in einer anderen Zeit und müssen lernen, mit dieser Situation umzugehen.

Wie bereits in den vergangenen zwei Jahren sorgen wir bei Polipol permanent für eine hohe Lagerhaltung. Deshalb können wir derzeit noch übliche Lieferzeiten von 30 bis 35 Arbeitstagen garantieren, durchweg für alle Sortimente, das heißt, auch für die Betten und Matratzen von Oschmann. Auf unseren Strategietagen, die wir jüngst in Diepenau mit unseren Handelspartnern durchgeführt haben, hat sich ganz klar gezeigt, dass die Lieferfähigkeit das wichtigste Thema bleibt.

möbel kultur: Im Juni wird Polipol erstmals, und zwar mit Hukla, an der Mailänder Möbelmesse teilnehmen. Warum haben Sie sich zu diesem Schritt entschlossen?
Marc Greve:
Wir wollen unsere Geschäfte sowohl in Europa als auch in Übersee forcieren. Und dafür sehen wir besonders gute Chancen für unsere Marke Hukla. Wir freuen uns deshalb, dass wir auf der Mailänder Möbelmesse einen guten Stand in Halle 18 bekommen haben, auf dem wir ganz bestimmt viele internationale Kunden begrüßen werden. Dabei hat unsere erstmalige Teilnahme dort nichts mit unserer Präsenz in Köln zu tun. Die „imm cologne“ bleibt auch künftig unsere Hauptmesse, auf der wir uns 2023 wieder mit sämtlichen Bereichen präsentieren werden.

Lesen Sie das gesamte Interview mit Marc Greve in der April-Ausgabe der „möbel kultur“.

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