Küchenmesse OWL

Mit Glamour und Gemütlichkeit gegen die Krise

Wer diesmal im westfälischen Küchenherbst unterwegs war, konnte je nach Blickwinkel viel schwarz sehen. Nicht nur weil Regenwolken immer wieder den Himmel verdunkelten oder das Konsumklima schlechtere Aussichten verheißt – sondern weil sich nun die gesamte Branche dem Motto „Schwarz ist das neue Weiß“ verschrieben hat. Ob Front, Gerät, Wasserplatz oder Installationszubehör: Alles erscheint im eleganten „Frack“, angestrahlt durch unzählige Lichtakzente, bereit für die Homing-Gala. Auch die Farbe der Hoffnung kommt stärker ins Spiel: Grün, pastellig und mit viel Grau-Anteil, mal heller und mal dunkler, wird zum Must-have. Genauso wie Rahmen, die mal breiter oder superschmal, ausdrucksstark oder nur dezent angedeutet, die Fronten zieren. 

Wie viel Symbolik tatsächlich in den Farb- und Stilwelten steckt, sei dahingestellt. Aber dass die Küche immer mehr vom Understatement abrückt und auf eher sanfte Art Charakter zeigt, ist offensichtlich. Schon durch die omnipräsenten Arbeitsplatten im Naturstein-Design, die durch Muschel- und Marmorstrukturen die Blicke einfangen. Gold und andere Metallic-Schimmer sorgen zum Trendton Taupe ihrerseits für Glamoureffekte und stehen in Übereinstimmung zur Vielzahl der Regalsysteme und Vitrinen, in denen präsentiert wird, was man hat. Zu Lack mit Antifingerprint-Oberfläche erweitert nun die vertikale Rillenstruktur im Holzfurnier das Trendspektrum. Alles wohnlich perfektioniert, bestimmt fürs Trading-up bei gleichzeitigen Kostenanpassungen ab 2023, die im Kern um 5 bis 8 Prozent lagen, aber auch zum Teil stark nach unten oder oben abwichen. Hierbei sind nun vor allem die Energiekosten die Treiber, während Materialengpässe kaum noch eine Rolle spielen.

Schick aber nicht übertrieben gestylt lieferte die Branche also zur – gut besuchten – Herbstmesse beste Voraussetzungen für das Wellbeing in der Küche. Mit Pilastern und Kränzen findet sogar der klassische Landhauslook – Inbegriff der Gemütlichkeit – zu alter Form zurück. Das Rüstzeug fürs Homing, unterstützt durch Technik und Ausstattung, die noch mehr Spaß am Kochen machen sollen.

Nein, von Krisenstimmung war auch diesmal rund um die Küchenmeile nicht viel zu spüren. Weil die inflationsbedingte Flaute auch noch nicht richtig am POS angekommen ist. Nachfragerückgänge gibt es zwar mittlerweile, aber der Auftragsstau sorgt dafür, dass gerade Küchenstudios noch alle Hände voll zu tun haben. Und die Industrie setzt durch den Nachfrageboom teils schon jetzt ihre Liefertermine bis ins nächste Jahr hinein.

Interessant zu beobachten ist inzwischen, wie Küchenhersteller immer mehr zum Bad- und Wohnmöbelanbieter werden. Auch dies mag zum Krisenausgleich gehören. Wie dies genau aussieht, erfahren Leser der „möbel kultur“ in der Oktober-Ausgabe.

Diese Seite teilen