Baumann Group: Wie „der Kleinste unter den Großen“ in die Zukunft geht

Neuer Spirit mit Familiensinn

Wenn sich ein Inhaber nach 25 Jahren aus dem operativen Geschäft zurückzieht und die Verantwortung seiner 3-köpfigen Führungscrew überlässt, zeugt dies von großem Vertrauen. Delf Baumann (60) hat diesen geplanten Schritt im April umgesetzt. Anlass für ein Sommerinterview vor Ort in Löhne – um nach dem Resümee einer nicht immer geradlinigen Erfolgsstrecke zu fragen und wie sich die „Kitchen Family“ mit ihren zwei Standorten künftig unter den Top 5 am Küchenmarkt behaupten will.

der küchenprofi: Herr Baumann, Sie waren jetzt genau 25 Jahre Geschäftsführer. Wie stand es um Bauformat, als Sie 1996 das Ruder übernommen haben und was hat Ihre Zeit besonders geprägt?
Delf Baumann: Als ich 1996 anfing, waren die goldenen Jahre nach der Wende gerade vorbei und die Nachfrage sank bereits wieder. Um die Kapazitäten auszulasten, drehten alle in der Branche an der Preisschraube. Wir hatten also erst einmal viele harte Jahre zu bewältigen. In dieser Zeit des Auf und Ab haben wir viel verändert, um dem wachsenden Wettbewerb standzuhalten, insbesondere den Standort Burg aufgebaut. Daneben haben wir den Export forciert. Nachdem anfangs die Niederlande unser einziger Auslandsmarkt war, sind wir in Länder gegangen, die für uns vorher nie denkbar waren. Auch außerhalb Europas. USA und China sind für uns heute interessante Märkte, wo wir entsprechende Strukturen aufgebaut haben. Inzwischen sind wir bei deutlich über 40 Prozent Auslandsanteil vom Bauformat-Umsatz angekommen. 1996 waren es rund 450 Mitarbeiter, heute sind es 1.200 in der Gruppe. In 25 Jahren hat man nicht nur Erfolge erlebt, aber gerade die Herausforderungen waren spannend.

der küchenprofi: Sie bekamen Ihre Aufgabe quasi in die Wiege gelegt, haben ein Vierteljahrhundert das Familienunter­neh­men geführt. War die Tradition ein ­Geschenk oder auch eine Bürde?
Delf Baumann: Natürlich hat mich die Küchenwelt von Geburt an begleitet. Ich konnte wohl eher Küche als Mama oder Papa sagen. Wenn beide Elternteile im Geschäft tätig sind und man so groß wird, dreht sich nun mal alles nur um dasselbe Thema. Deshalb musste ich nach der Schule erst einmal etwas anderes machen, habe studiert und dann als Wirtschaftsingenieur in ­einer Beratungsgesellschaft gearbeitet. Dass ich dann doch den Betrieb übernommen habe, nachdem mein Vater schon zehn Jahre vorher aus ­gesundheitlichen Gründen ausscheiden musste, hatte aber nichts damit zu tun, dass es der einfachere Weg war. Für mich zählte, dass ich nicht länger nur andere Unternehmen berate, sondern selbst in Verantwortung aktiv werde. Das Berufsleben als Angestellter wäre dagegen sicher einfacher gewesen.

der küchenprofi: Welches Ereignis bleibt Ihnen besonders in Erinnerung?
Delf Baumann: Den größten Entwicklungssprung haben wir sicher in Burg erlebt. Ich kann mich noch gut an meinen ersten Besuch des ehemaligen DDR-Betriebs erinnern. Heute finden wir hier auf 55.000 qm modernste Gebäude, An­lagentechnik und IT-Infrastruktur mit noch viel Ausbaupotenzial. Aber was mich noch mehr begeistert, ist der Teamspirit, der sich gerade in den letzten vier bis fünf Jahren, auch im Zuge personeller Veränderungen, entwickelt hat. Die Motivation und Begeisterung, mit neuen Ideen nach vorn zu kommen. Vieles passt einfach, und dies zu sehen, macht Spaß.  
 
der küchenprofi: Was hat Sie dann gerade jetzt dazu bewogen, sich zurückzuziehen?
Delf Baumann: Ich bleibe ja im Unternehmen, werde aber nicht mehr jeden Morgen in Videokonferenzen das Tagesgeschäft besprechen. Ich bin erreichbar, werde auch persönlich in gewissen Intervallen in Löhne und Burg sein und den strategischen Kurs begleiten. Der Plan, mich im Alter von 60 Jahren aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen, war ja länger bekannt und das kann ich jetzt umsetzen, weil ich die Ressorts gut verteilt und kompetent besetzt sehe. Obwohl ich zugeben muss, dass es auch für mich nicht einfach war, zum Notar zu fahren und mich aus dem Register austragen zu lassen. An den neuen Status als stiller Beobachter muss ich mich noch gewöhnen.

der küchenprofi: Das heißt vor allem, Kontrolle und Verantwortung abzugeben.
Delf Baumann: Damit hatte ich nie ein Problem. Ich war nie beratungsresistent, habe immer genau hingehört, was andere Mitarbeiter zu ­einem Thema zu sagen hatten. Ich denke, dass Entscheidungsfreiheit überhaupt ein wichtiger Teil unserer Unternehmenskultur ist. Wenn wir früher jeden zweiten Tag telefoniert haben, dann ist es jetzt vielleicht alle ein bis zwei Wochen.
Sabine Brockschnieder: Das kann ich nur bestätigen. Die Tür war und ist immer offen. Gerade wenn es um neue Ideen ging, deshalb konnten wir wohl auch so viel erreichen.
der küchenprofi: Wie empfinden Sie die Umstellung im Management, Herr Assner? Sie sind ja als längstes im Betrieb.
Michael Assner: Die Zusammenarbeit mit Herrn Baumann ist natürlich sehr intensiv gewesen und die gemeinsame Entwicklung von Themen und Projekten hat letztlich den Erfolg gebracht. Aber wir hatten immer viel Freiraum und hier ändert sich, glaube ich, jetzt gar nicht so viel. Außerdem haben wir uns daran gewöhnt, uns auch über ­Videokonferenzen auszutauschen.

der küchenprofi: Eine der jüngeren Ideen war, Bauformat, Burger und Badea zur Baumann Group zu bündeln. Angesichts der wachsenden Marktmacht der Großen wird es ja auch wichtiger, das Potenzial der Gruppe zu nutzen. Was macht jetzt das Besondere der Kitchen Family aus?
Matthias Berens: Die Dachmarke Baumann Group, die wir 2016 installiert haben, hat uns sehr geholfen, uns als Gemeinschaft zu definieren und auch danach zu handeln, indem wir bei Entscheidungen näher zusammenrücken.
Delf Baumann: Früher sah jedes Tochterunternehmen nur auf seinen eigenen Standort, zum Teil gab es auch internes Konkurrenzdenken. Das sorgte schon mal für Probleme, zum Beispiel bei unterschiedlichen Einkaufspreisen bei denselben Lieferanten. Mit der Baumann Group setzen wir ein sichtbares Zeichen für den Zusammenhalt. An den neuen Namen musste ich mich auch erst gewöhnen, aber das funktioniert ganz gut. Das Gefühl der Mitarbeiter, Teil einer Gruppe zu sein, hat zum regelmäßigen Austausch zwischen den Standorten Burg und Löhne geführt.
Sabine Brockschnieder: Die gemeinsamen Führungskräfte-Meetings haben dazu beigetragen, dass wir konsequent in gemischten Teams Entscheidungen treffen. Wir haben außerdem in Anlehnung an den Tarifvertrag für Sachsen-­Anhalt für die Gehälter eine gemeinsame Basis geschaffen, sodass die Löhne deutlich höher liegen als in der Region üblich. Sonst könnten wir auch nicht glaubwürdig von einer Familie reden. Übrigens ist auch die gerade erhaltene Auszeichnung als „Top Arbeitgeber“ ein Spiegelbild für das gelebte Miteinander in der „Kitchen Family“.

der küchenprofi: Wie wird der Vertrieb von Bauformat und Burger koordiniert?
Matthias Berens: Als ich 2016 anfing, gab es schon gemeinsame Verkaufsteams für ­Bauformat und Burger, nur für Badea läuft dies seit jeher getrennt. Wir produzieren ja schon seit 25 Jahren Bäder, was der Küchenhandel oft nicht weiß. Deshalb haben wir jetzt auch noch Bauformat Bad als eigenes Label. Aber Bad und Küche sind grundsätzlich verschiedene Kanäle mit einem ganz anderen Vokabular. Im Sanitärbereich gelten andere Regeln, deshalb bleibt der Vertrieb hier strikt getrennt.
der küchenprofi: Auf den Auftritt als Gruppe setzen auch die „#kitchenfamily“- Stores. Wird das Format ausgebaut?
Matthias Berens: Ja, seit kurzem gibt es einen neuen „#kitchenfamily“-Store in Toulon. Auch in Spanien und England haben wir das Konzept umgesetzt und in Deutschland gerade den ­ersten in Heide, Schleswig-Holstein, gestartet. Demnächst wird ein weiterer auf Mallorca eröffnet. Wir ­sehen neben den bisher zehn ja noch viele mögliche Standorte. Wobei ich betonen möchte, dass es bei den Exklusivstores nicht um ein Franchisesystem geht, sondern um unabhängige Händler mit einem einheitlichen Ladenbau. Demnächst werden sie über eine eigene Website zusammengeführt, wir wollen insgesamt den Community-­Gedanken fördern. Interessant ist diese Performance als Marke vor allem im Export.

der küchenprofi: Burger Küchen sind durch ihre professionelle Abwicklung im konsumigen Bereich immer weiter vorgeprescht. Das Wachstum von Bauformat blieb im Vergleich dazu eher moderat. Woran liegt das?
Matthias Berens: Der Erfolg von Burger Küchen liegt ganz klar darin, dass wir mit einer sehr breiten Kollektion das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Vor fünf Jahren wurde mit einem Riesen-Investitionspaket noch einmal enorm viel für den Standort getan, sodass wir heute einen innovativen und hocheffizienten Hightech-Standort in Burg haben. Damit wurde die schnelle 12-Tage-Küche erfolgreich. Gleichzeitig haben wir uns auch in der Wertigkeit verbessert, der früher stärkere SB-Anteil liegt dagegen bei nur noch fünf Prozent.
Delf Baumann: Das Werk in Löhne besteht aus vier Fabrikhallen auf unterschiedlichem Niveau, die im Laufe der Jahre dazugekauft wurden. Mitten­durch läuft die Bundesstraße. Das begrenzt die Möglichkeiten für einen intelligenten Materialfluss erheblich. Im Gegensatz zu Burg: Hier hatten wir durch den Zukauf freier Felder den Spielraum, optimal zu planen. Immer zehn Jahre im voraus, sodass wir in Burg jetzt viel effizienter produzieren können als in Löhne.

der küchenprofi: ...und auch mit entsprechendem Erfolg verkaufen.
Delf Baumann: Früher war die Konkurrenz im eigenen Hause größer als die mit den Mitbewerbern am Markt. Die Produkte lagen viel zu nah beieinander. Deshalb haben wir 2009 mit der Küche im 13er Raster eine Grenze gezogen und für Bauformat das Trading-up eingeleitet. Das war nicht ohne Risiko, weil viele Händler den ­Namen noch lange mit dem Thema Blockvermarktung assoziiert haben. Wir haben dadurch auch einige Kunden verloren, aber auf der anderen Seite neue für Burger gewonnen.
Michael Assner: Wir sind ja längst über die einfachen Küchen hinausgewachsen. Ich glaube, wir waren in Burg einer der ersten Küchenhersteller, die mit auftragsbezogener Fertigung in Losgröße 1 gestartet sind. Wobei wir die meisten Fronten selbst herstellen und auch viele Sonderanfertigungen.

der küchenprofi: Gibt es schon weitere Ausbaupläne? Alle großen Marktplayer drängen ja derzeit nach Expansion.
Delf Baumann: Wir überarbeiten jährlich den mittelfristigen Investitionsplan und haben im letzten Oktober beschlossen, in den nächsten Jahren etwa 110 Mio. Euro in beide Standorte zu investieren. Am Ende dieses Jahres werden wir eine neue Halle mit Anlagen in Burg in Betrieb nehmen. Für Löhne wurde im Herbst 2020 eine große Anlage für die Endmontage freigegeben, die im Sommer 2023 installiert wird.
Michael Assner: Darüber hinaus wollen wir alle Standorte einschließlich Badea technisch ­näher zusammenbringen, sodass sich die Werke je nach Auftragslage gegenseitig unterstützen können. Diese schlanke, kosteneffiziente Lösung funktioniert natürlich nur, wenn man entsprechend flexible Anlagen hat.

der küchenprofi: Und wie hat sich die Fertigungstiefe entwickelt?
Michael Assner: Diese ist parallel zum Umsatz und den Marktanforderungen immer weiter gewachsen. Der Trend zu Individualität und besonderen Wünschen wird ja immer stärker. Und in seinem Marktsegment ist Burg heute ganz klar führend, was die Varianz angeht.
Matthias Berens: Man muss dazu anmerken, dass wir nicht die Großfläche im Möbelhandel bedienen, sondern eher das Familienunternehmen, das aus der Schreinerei zur Küche gefunden hat. Also auch die Individualität groß schreibt. Unsere Handelspartner sind zu etwa 85 Prozent im klassischen inhabergeführten Mittelstand angesiedelt, wobei wir mit den einschlä­gigen Verbänden gewachsen sind. Auch größere Küchenfachhändler gehören natürlich dazu.

der küchenprofi: Wo sehen Sie heute das Profil von Bauformat unter Vertriebsgesichtspunkten?
Delf Baumann: Bauformat hat sich vor allem im Export einen guten Namen gemacht. Aber auch deutsche Händler haben verstanden, dass dies ein Produkt ist, mit dem man viel machen kann. Mit dem man Markenküchen abbilden kann, ohne den Markenpreis zu bezahlen. Burger ist die größere Säule in der Gruppe, Bau­format stellt als Abrundung nach oben einen anderen wichtigen Teil der Gruppe dar.
Matthias Berens: Mit Burger bedienen wir den breiten Markt von 3.500 bis 6.000 Euro VK, Bauformat hebt sich davon vor allem seit Einführung der hochwertigen Rasterküche ab und hat bei den Verkaufswerten einen deutlichen Sprung gemacht. Bis das hochwertige Image gewachsen ist, hat es allerdings lange Zeit gedauert.

der küchenprofi: Wie lagen denn die Umsatzanteile nach dem im März abgelaufenen Geschäftsjahr – und was erwarten Sie für 2021?
Matthias Berens: Der Umsatz lag bei 275 Mio. Euro. Dabei kommen auf Bauformat 65, ­Badea etwas über zehn und Burger 200 Mio. Euro. Das Cocooning im Corona-Jahr hat sich auch für uns positiv entwickelt.

der küchenprofi: Inzwischen ist die Gruppe durch die Marktveränderungen in die Top 5 aufgestiegen. Wird es jetzt leichter, Kunden zu akquirieren oder zu halten?
Delf Baumann: Früher waren wir eher die Nummer zehn. Nachdem andere große Mitbewerber weggefallen sind, werden wir auch anders wahrgenommen. Wir sind zwar der Kleinste unter den Großen, aber auch nach uns kommen nicht mehr viele Unternehmen, die eine ähnliche Größe erreichen.

der küchenprofi: Der Handel braucht ein Gleichgewicht der Kräfte. Wo sehen Sie die Stärken der Baumann Group im deutschen Wettbewerb?
Delf Baumann: Im wesentlichen in kurzen schnellen Entscheidungen. Bei uns zählt nicht der Rang, sondern nur der Sachverstand. Das setzt viel Kreativität und Motivation frei. Und macht es möglich, dass wir als kleinster unter den Großen sehr beweglich arbeiten können. Ob mit ­größeren Verbänden, Filialisten oder Bau­trägern: Um die jeweiligen Anforderungen zu erfüllen, sind wir sicher beweglicher als manch anderes Unternehmen. Wir machen schon mal einen Purzelbaum mehr, um den Auftrag zu bekommen und Kunden zufriedenzustellen. Und bei uns bleibt man auch nicht im Vorzimmer hängen.
Matthias Berens: Die Wertschätzung der Kunden ist uns ganz wichtig. Dies ist am Markt zumindest gegenüber kleineren Unternehmen nicht mehr selbstverständlich. Dabei ist die Frage, wo man kauft, auch für den Handel eine emotionale Entscheidung.

der küchenprofi: Wenn wir den Blick auf den Messeherbst richten: Wie wichtig ist dieser, um die Kontakte zu pflegen – und bereuen Sie es, die Hausmesse 2020 ausgelassen zu haben?
Sabine Brockschnieder: Für uns stand im letzten Herbst die Sicherheit im Vordergrund und da man nicht wusste, wie sich alles entwickelt, wollten wir jegliches Risiko einer Ansteckungswelle vermeiden. Sowohl unseren Mitarbeitern als auch den Kunden gegenüber war uns dies wichtiger.
Matthias Berens: Unsere Messebesucher sind im Haus Beck eine gemütliche Atmosphäre gewohnt, bis hin zum abendlichen Grillen. Dies konnten wir uns zum damaligen Planungsszeitpunkt nicht vorstellen.

der küchenprofi: Und wie wird es in diesem Jahr sein?
Matthias Berens: In diesem Jahr werden wir eine neue Kollektion vorstellen, das steigert ­natürlich das Interesse an einer Messepräsenz. Aber das Catering werden wir aufgrund der Abstandsregeln einschränken müssen.
der küchenprofi: Ohnehin hatten Sie den Neuheiten-Zyklus von zwei Jahren geplant – bleibt es dabei?
Matthias Berens: Ja, denn im Handel ist die Meinung ziemlich einhellig und viele habe gesagt: „Weiter so.“ Auch bei einigen Herstellern gibt es ein entsprechendes Umdenken. Für uns heißt dies, dass wir nur noch alle zwei Jahre neue Programme mit Fronten, Griffen und Arbeitsplatten herausbringen. Der Wunsch zum längeren Zyklus kam ja aus dem Handel, der nicht länger unter dem ständigen Druck zum Musterküchenabverkauf stehen und damit seine Liquidität schwächen will.

der küchenprofi: Trotzdem haben Sie im Herbst 2020 das Programm „Treetime“ einigen Händlern vorgestellt?
Matthias Berens: Das Programm „Treetime“ war im Herbst 2020 nicht neu, selbst wenn es zum Teil so wahrgenommen wurde. Vielmehr gab es eine verstärkte Nachfrage nach Naturholz. Das Programm wird sicher kein Mengendreher, doch brauchen wir es, um im Hochwertbereich mitzuhalten.

der küchenprofi: Was haben Sie an Neuheiten für 2022 in der Pipeline?
Matthias Berens: Eine ganze Menge. Für Burger werden wir die 796er Korpushöhe auf den Markt bringen, wodurch das Sortiment durch mehr Ergonomie und Stauraum nochmals aufgewertet wird. Auch eine neue Korpustiefe wird die individuelle Planung weiter flexibilisieren und die Durchgängigkeit erhöhen. Bei Bauformat wird außerdem die 845er Höhe dazukommen. Wir haben diesmal den Handel sehr stark in die Produktentwicklung involviert und in Workshops mit internationalen Partnern auch sehr tief in den Fertigungsbackground blicken lassen. Daraus ist unter anderem eine sehr harmonische Farbpalette entstanden. Neben dem Schwarz-Trend wird dabei ein warmes Greige eine starke Rolle spielen. Daneben haben wir eine Antifingerprint-Ober­fläche, künstliches Glas und wieder mehr Landhaus auch für Burger im Sortiment 2022. Wobei wir den Trend weg vom sachlich-skandinavischen hin zum eher rustikaleren alpinen Look sehen.

der küchenprofi: Wird es Preiserhöhungen geben?*
Matthias Berens: Ja, aber über die Höhe ­haben wir uns noch nicht festgelegt und warten noch die Entwicklung der Zulieferpreise ab. Für Geräte haben wir schon seit Juni die Preise um fünf Prozent erhöht. Für Burger Küchen wurde übrigens jetzt Candy als weitere Marke neben Burg aufgenommen.

der küchenprofi: Und wie lang sind jetzt die Lieferzeiten?
Michael Assner: Derzeit sind wir bei sechs Wochen. Weil auch der Auftragseingang gestiegen ist. Der Einkauf hat hier gute Arbeit geleistet, und wir hatten auch etwas Glück. So konnten wir in den letzten zwölf Monaten unsere Kunden bis auf ein paar Ausnahmefronten stabil bedienen. Wir haben es geschafft, sehr flexibel zu sein. Wir haben permanent Kontakt zu alternativen Lieferanten gehalten, nie Türen zugeschlagen. Partnerschaftliches Denken ist auch im Einkauf wichtig. Davon profitiert man gerade in schwierigen Zeiten.

der küchenprofi: Die Pandemie hinterlässt ganz unterschiedliche Spuren. Wie sieht Ihre neue Normalität aus?
Delf Baumann: Wir haben uns daran gewöhnt, uns online auszutauschen, ohne dass wir für ein Gespräch lange Anfahrten einplanen müssen.
Sabine Brockschnieder: Durch Corona hat sich unsere ganze Arbeitsweise verändert. Mobiles Arbeiten hat sich absolut etabliert. Wir haben im Verwaltungsbereich viele Mitarbeiter, die jetzt Homeoffice beibehalten wollen und wir sind gerade dabei, ein Organisationssystem dafür aufzustellen. Auch bei uns hat Digitalisierung ganz klar einen Push erfahren.
Michael Assner: Im Einkauf werden wir sicher den Lieferantenmix weiterhin verändern, um noch mehr Sicherheit zu gewinnen. Flexibilität ist ein ganz wichtiger Punkt. Wir sollten die letzten Monate nicht zu schnell vergessen, auch wenn wir ganz gut durch die Krise gekommen sind.

aus: der küchenprofi 4/2021 (Interview: Heike Lorenz)

 

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